What a CAADASTROPHE!

For anyone who has spent time in the underground corners of cycling culture—where nostalgia meets obsession and anodized aluminum still reigns supreme—the name @caadastrophe will feel familiar. Behind the handle is Marcel, a long-time Cannondale collector whose devotion to the brand, especially its legendary CAAD lineage, goes far beyond owning bikes. He curates them, archives them, and revives an era when oversized aluminum frames, brash team kits, and the infamous red Saeco train shaped the visual and emotional vocabulary of late-90s cycling.

Marcel’s builds are love letters to a time when bikes were loud, racers were larger than life, and Cannondale dared to be different. And although the hashtag #savetherimbrake has become a rallying cry among purists, Marcel has often embodied that sentiment through his own collection—until now.

With his latest project, a 2025 LAB71 EF Team Replica running disc brakes and electronic shifting, he has surprised even his most loyal followers. This is not a departure from his roots but a deliberate evolution, blending nostalgia with modern performance in a way only he could author. Our HUNT 44/46 Aerodynamicist wheels play a starring role.

We sat down with Marcel to explore the story behind Caadastrophe, the roots of his collecting habit, the cultural pull of the Saeco years, and what it means for someone so deeply connected to the CAAD heritage to embrace a new chapter.

Fangen wir ganz vorne an: Was hat eigentlich den Funken für deine Liebe zu Cannondale gezündet? Und warum ausgerechnet die CAAD-Serie?

Okay, lass uns in der Zeit zurückspringen:

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Die meisten meiner Freunde waren älter und gewissermaßen meine Vorbilder.

Zwei meiner engsten Kumpels hatten Cannondale M800 und M900 Mountainbikes. Als ich dann mit 12 mein eigenes M800 „Beast of the East“ geschenkt bekam, hat mich das nachhaltig geprägt. Das waren zwar MTBs aus den 90ern und keine Rennräder, aber sie hatten schon damals die Merkmale, die ich bis heute feiere: dicke Rohre, klare Proportionen – kein Schnickschnack.

Als ich vor etwa zehn Jahren mit dem Rennradfahren anfing und mein Budget mich eher in Richtung Youngtimer lenkte, merkte ich schnell: Der Markt ist völlig überladen. Ein Klein? Sicher! Ein Telekom-Pinarello? Klar, warum nicht!

Also habe ich mich quasi zum Selbstschutz auf die CAADs der späten 90er fokussiert.

Bei deiner Sammlung geht es nicht nur ums Besitzen – es wirkt wie eine Form von Storytelling. Welche Geschichte wolltest du erzählen, als du „Caadastrophe“ als Plattform ins Leben gerufen hast?

Als ich anfing, meine Aufbauten auf Instagram zu posten, fiel mir zum ersten Mal auf, dass meine Räder im Vergleich zu anderen gar nicht mal so übel waren. Aber in meinem privaten Feed ging das alles zwischen dem ganzen anderen Kram unter. Deshalb habe ich @caadastrophe gestartet – als einen Ort, an dem ich exklusiv CAAD-Builds, aber auch Teile oder Sammlerstücke zeige. Kurz vor dem Start habe ich dann doch noch mal umgeschwenkt – und genau diese Entscheidung wurde zum Herzstück der Seite: Ich dachte mir, es macht viel mehr Spaß, auch die Projekte von anderen zu zeigen!

Der ‚Rote Express‘, die überdimensionierten Aluminiumrahmen … warum glaubst du, fasziniert diese Ära heute noch so viele Fahrer?

Meiner Meinung nach werden Menschen das Besondere und Extravagante immer in Ehren halten – und sich deshalb daran erinnern. Cannondale hat es als Marke und durch ihre Teams (sowohl MTB als auch Rennrad) meisterhaft verstanden, verrückte Typen, bahnbrechende Technik und wahnsinniges Marketing mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu kombinieren. Und dieser Spirit ist bis heute spürbar.

Es gibt heutzutage so viele Teams, an die sich kaum jemand erinnert. Aber sobald man ein Gespräch über die Saeco/CAAD-Ära beginnt, zaubert das den Leuten sofort ein Lächeln ins Gesicht.

Wenn du Jagd auf einen neuen CAAD-Rahmen machst – was entscheidet darüber, ob er einen Platz in deiner Sammlung bekommt? Ist es der Zustand, die Seltenheit, das Design, pure Emotion oder etwas ganz anderes?

Lass uns noch mal einen Schritt zurückgehen:

Bei diesen 20 bis 25 Jahre alten Aluminiumrahmen ist es nicht wie beim modernen Fahrradkauf. Man hat selten das Glück, genau das zu finden, was man sucht – passend, in gutem Zustand und bezahlbar. Meistens sucht man monate- oder sogar jahrelang erfolglos. Auf manche Rahmensets musste ich ein halbes Jahrzehnt warten.

Und dann tauchen plötzlich Dinge auf, von denen man nicht mal wusste, dass sie existieren – und man muss sich innerhalb von Minuten entscheiden, oder sie sind für immer weg. Mit anderen Worten: Zustand, Seltenheit und Lackierung sind die Hauptfaktoren, aber manchmal ist es einfach eine extrem seltene, spontane Gelegenheit, die ich dann versuche, nicht verstreichen zu lassen.

Deine Community liebt die tiefgründigen Details, die du teilst. Was ist der faszinierendste oder überraschendste CAAD-Funfact, den du in all den Jahren des Sammelns entdeckt hast?

Das ist eine schwere Frage. Was mich am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass – obwohl ich mich auf eine absolute Nische beschränkt habe (man erinnere sich: eine Marke, ein Modell, ein Zeitraum von fünf Jahren, meistens Saeco) – jedes Mal, wenn man denkt, man hätte alles gesehen, etwas Neues auftaucht. Ein neues Bike, eine neue Lackierung, ein Japan-exklusives Release, das ich nicht auf dem Schirm hatte – was auch immer.

Dein neues LAB71 im EF Team-Look ist ein ziemlicher Bruch mit deinen bisherigen Gewohnheiten. Was hat dich dazu bewegt, nach all den Jahren als Verfechter von #savetherimbrake ein Disc-Bike aufzubauen?

Auf den ersten Blick wirkt das LAB71 im Vergleich zu meinen CAADs wie eine völlig andere Welt, weil es für mich so viele Premieren bereithält:

Mein erstes fabrikneues Rennrad überhaupt, die erste Scheibenbremse, voll integriert, 12-fach, hydraulisch, elektronische Schaltung. Aber wenn man genauer hinsieht, ist es eigentlich nur die moderne Interpretation dessen, was ich schon immer mit den CAADs gemacht habe: Ein total nerdiges Roadbike aufzubauen, das ich einfach wahnsinnig gerne anschaue und mit dem ich voll auf Zug fahre!

Obwohl ich Felgenbremsen immer noch liebe (daran hat sich übrigens nichts geändert!), war ich einfach neugierig, wie sich ein echtes ‚Top-of-the-Shelf‘-Bike anfühlt. Besonders bei diesen seltenen, extremen Ausfahrten mit einem 40er-Schnitt wollte ich wissen, ob so ein Bike wirklich den entscheidenden Unterschied macht. Als sich dann im Herbst ein paar glückliche Umstände ergaben, konnte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen. An dieser Stelle auch ein riesiger Shoutout an Max und Flo von meinem Local Shop @BiciBavarese, die dieses Projekt erst möglich gemacht haben!

Was wolltest du mit diesem Aufbau ausdrücken – nicht nur mechanisch oder ästhetisch, sondern rein emotional?

Ich wollte schlicht und ergreifend den heißesten modernen Cannondale-Aufbau hinstellen, den es aktuell gibt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Als Basis diente das komplette Team-Replica-Bike, nur um dann erst mal alles komplett runterzureißen, bis auf die Dura-Ace-Gruppe, das Innenlager und den Steuersatz ^_^.

Klar, es gäbe noch ein kleines bisschen Luft nach oben, Titan-Achsen und so Kram, aber das betrifft meiner Meinung nach nur das letzte Prozent des gesamten Aufbaus.

Wenn du dir das LAB71 in seiner finalen Form anschaust: Wo überschneiden sich die modernen Elemente mit der DNA der CAAD-Ära? Ab welchem Punkt hat sich der Aufbau „richtig“ angefühlt?

Das ist eine sehr gute Frage! Die meisten Leute kennen wahrscheinlich mein Build-Reel vom Oktober, in dem ich den ultimativen Klassiker aufbaue: Ein viper-rotes CAAD4 Saeco Team Replica mit Spinergy-Laufrädern. Wenn ich dieses Biest neben das LAB71 stelle, wirkt der Unterschied erst mal gewaltig.

Aber beim genaueren Hinsehen haben beide eine wesentliche Gemeinsamkeit: Die Proportionen. Beide Bikes sehen schon im Stand verdammt schnell aus. Vorbau komplett auf Anschlag, 380-mm-Cockpit, extrem glänzende Lackierungen und wahnsinnig viele Details.

Es gab zwei Momente, in denen ich wusste, dass das Projekt perfekt zusammenläuft: Erstens, als ich mich für den größeren 56er Rahmen entschieden habe, um den Vorbau komplett ohne Spacer auf den Rahmen zu knallen. Und zweitens, als die Zusage von HUNT kam, dass sie das Projekt mit diesem kranken Laufradsatz unterstützen (klingt jetzt wie ein bezahlter Werbespruch, ist aber absolut ehrlich gemeint).

Deine Community bewundert deine Authentizität. Wie nimmst du die Bewegung wahr, die du mit @caadastrophe aufgebaut hast, und wie sehr beeinflusst das deine eigenen Bike-Projekte?

Ehrlich gesagt macht es mich jeden Tag aufs Neue fassungslos, wie sehr dieses kleine ‚CAADastrophe‘-Nebenprojekt eskaliert ist. Während ich das hier schreibe, kratzt der Account an den 6.000 Followern – und das nach gerade mal 13 Monaten und weniger als 100 Posts, von denen die meisten schlichte Fotos sind.

Da ich wahrscheinlich schon Material für fünf Leben beim ‚Doomscrolling‘ von Bike-Builds verbraten habe, beeinflusst die Seite meine eigenen Aufbauten gar nicht so sehr. Ich glaube, ich hatte meinen ganz eigenen Stil schon entwickelt, bevor ich mit der Seite angefangen habe. ABER: Ich versuche definitiv, meine Foto- (und selten auch Video-) Skills zu verbessern. Und hier und da lasse ich mich von anderen Bikes inspirieren, die ich poste – besonders von den unperfekten ‚Rat-Bikes‘, die ich total feiere.

Wenn du eine Designphilosophie oder eine Einstellung aus der Cannondale/Saeco-Ära in die heutige Industrie zurückholen könntest – welche wäre das?

Was die Einstellung angeht: Ganz klar die Selbstironie. Da Cannondale das für sich selbst in den letzten zwei bis drei Jahren scheinbar wiederentdeckt hat, kann ich mich mit meinem Lab71 auch sehr gut identifizieren.

Beim Design würde ich der Branche dringend empfehlen, mal einen kräftigen Schluck aus der ‚Heritage-Pulle‘ zu nehmen. In der Schuhindustrie bringen sie jedes Jahr ihre Klassiker neu raus und – völlig überraschend – sind sie jedes Mal ausverkauft. Also: Schaut euch bitte die hunderte großartigen Colorways an, die sich über die Jahre bewährt haben, und bringt sie zurück!

Was kommt als Nächstes bei dir – jagst du einem weiteren Stück Cannondale-Geschichte hinterher oder stehen Experimente an, die deine eigenen Regeln brechen?

Ich kann im Moment noch nicht allzu viel verraten. Aber was ich mit Sicherheit sagen kann: Es wird garantiert absolut bescheuert. Ich versuche einfach, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen – #iykyk (if you know, you know).

Tausend Dank, dass ich hier sein durfte!

Favourites